Die Familienaufstellung

MANCHMAL SIEHST DU

Manchmal siehst du, woran du dich nicht erinnern kannst.
Corinna Grund

In der Seele sind wir viele Generationen

In der Seele sind wir viele Generationen, denn viele Menschen haben dazu beigetragen, dass heute ein Mensch da ist und lebt, mit all seinen Besonderheiten und Seinszusammenhängen. Denken wir nur daran, dass jeder von uns zwei Eltern hat, vier Großeltern, acht Ururgroßeltern, um nur die letzten drei Generationen zu nennen. Das Leben kommt durch viele Personen und von weit her. Und es bewegt sich weiter in jedem, der jetzt hier ist.

Ein zeitloser Raum

Im Rahmen einer Aufstellung öffnet sich für kurz ein zeitloser Raum. Darin macht sich ein inneres Bild der wichtigen Personen der Ursprungs- oder Gegenwartsfamilie oder der Partnerschaft nach außen sichtbar. 

Wer mit einem Anliegen zum Klären kommt, wählt dazu aus der Gruppe für sich und andere Familienmitglieder oder wichtige Personen StellvertreterInnen aus und stellt sie in Beziehung zueinander. Es kann auch sein, dass ich einen Vorschlag dazu mache, wer oder was am besten ausgewählt werden könnte, zum Beispiel ein Symptom, eine Lebenssituation, ein Herzenswunsch oder ein Thema, das zwar gespürt, aber nicht näher benannt werden kann.

Einfühlen ohne Vorkenntnisse

Im so eröffneten Raum, dem 'wissenden Feld', spüren die StellvertreterInnen körperlich und emotional die Wirkungen ihres Platzes in der Familie oder in dem aufgestellten Zusammenhang, auch ohne jemals von den betreffenden

Personen und Ereignissen erfahren zu haben. Ohne besondere Vorkenntnisse bewegen sie sich von innen heraus geführt, das heißt ohne Schauspielerei.

Dabei kommen oft generationsübergreifende Bindungen ans Licht, aus 

denen unglückliche Beziehungen und Verstrickungen entstanden sind, schwere Folgeschicksale, Symptome, Krankheit und sogar Todesbereitschaft.

Das Übernehmen fremder Gefühle, etwa Schuld und Scham oder Einsamkeit und Wut, auch unbewusste Verhaltenswiederholungen, mittels derer sich ausgeschlossene Personen und Ereignisse anzeigen, treten hervor und können auf respektvolle Weise gelöst werden. In meiner Erfahrung ist dieselbe Liebe, die ein Symptom hervorbringt, meist auch in der Lage, es wieder aufzulösen. Was in Beziehung verletzt wurde, will auch in Beziehung wieder geheilt sein. Dazu müssen aber nicht die ursprünglich beteiligten Personen anwesend sein.

Was in Beziehung verletzt wurde, will auch in Beziehung wieder geheilt sein.

Die Aufstellung bietet dazu Lösungswege an. Dies kann bedeuten, dass alle Personen und Ereignisse, die dazu gehören, nun ihren gemäßen Platz erhalten im Ganzen und somit geehrt und gewürdigt sind. Ist nichts mehr

ausgeschlossen, wird oft eine spontane Erleichterung und ein Energiezuwachs gespürt und ein lange ersehntes Gefühl von Vollständigkeit. Dies entspricht der persönlichen Erfahrung von Ganzheit. Damit einhergehend zeigen sich häufig auch langfristig positive Auswirkungen für den Aufstellenden – und wunderbarerweise auch für Familienmitglieder, die gar nicht selbst anwesend waren. Denn in dem zeitlosen Raum der Aufstellung sind alle anwesend.

Das Wirken einer Kraft in uns

Durch das Aufstellen erfährt man etwas über sich, was sonst nur schwer zugänglich ist. Das gemeinsame Hervorbringen der Lösungsbewegungen durch alle Beteiligten im Schutz der Gruppe geht weit über das Therapeutische hinaus. Eine Aufstellung ist nur möglich, weil wir alle das Wirken einer großen Kraft in uns tragen, durch die wir Zugang haben zur gemeinsamen Quelle des Seins, jetzt, hier, in diesem Körper.

 

Rekapitulations-Aufstellungen

Meine langjährige Erfahrung als Traumatherapeutin und Ausbilderin haben es mir ermöglicht, eine neuartige Aufstellungsform zu entwickeln, die sogenannte Rekapitulations-Aufstellung. Sie berücksichtigt besondere Aspekte der menschlichen Neurobiologie im Aufstellungsprozess und begünstigt damit eine leichtere Verarbeitung schwieriger Lebensereignisse.

 

 

 

 

 

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